Die Zwiebelhexe: Ein Werkstattbericht zu meinem Märchen aus Borna

Werbung: In diesem Beitrag erzähle ich, wie mein Märchenbuch "Die Zwiebelhexe" entstanden ist. Das Buch ist ein regionales Märchen für Kinder und Erwachsene und kann direkt im BoD-Buchshop bestellt werden: "Die Zwiebelhexe" kaufen

Wie die Zwiebelhexe entstanden ist

Manche Buchideen sitzen plötzlich mit auf dem Sofa. Bei der Zwiebelhexe war es tatsächlich so. Ich schaute mit meinem Sohn Sandmännchen, und dort liefen Geschichten, die sich mit Sagen und Legenden aus der Lausitz beschäftigten. Kindgerecht erzählt und liebevoll umgesetzt. Ich mochte das sofort. Und ich fragte mich: Gibt es so etwas eigentlich auch für Borna? Gibt es ein Märchen, das unsere Stadtgeschichte aufgreift? Eine Geschichte, in der Kinder etwas von ihrer eigenen Gegend/Region wiederfinden können? Ich suchte und fand nichts Vergleichbares. Also begann ich selbst zu überlegen. Aus dieser Überlegung wurde erst eine grobe Idee und irgendwann Balbina, die gutherzige Zwiebelhexe. Mein Sohn war von Anfang an dabei. Er hörte die ersten Versionen, kommentierte, fragte nach, merkte sich erstaunlich viele Einzelheiten und wurde mit jeder Fassung mehr zu meinem ersten Publikum. Das war schön und manchmal auch ziemlich ehrlich. Kinder sprechen das aus, was sie denken, nicht was man gern hören möchte.

Warum ausgerechnet Borna?

Borna ist meine Heimatstadt. Ich bin hier geboren, aufgewachsen, lebe und arbeite hier. Viele meiner Erinnerungen hängen an dieser Stadt. Der Schauplatz meines Märchens stand also sofort fest. Als ich über das Thema nachdachte, kam mir schnell eine Sache in den Sinn. Wenn ich neuen Menschen begegne und erzähle, dass ich aus Borna komme, kommt oft ein freudiges „Ach, Zwibbelborne“ zurück. Dieser alte Name hat mich schon immer fasziniert. Er klingt ein bisschen derb und skurril. Dahinter steckt der Zwiebelanbau, der für Borna lange eine wichtige Rolle spielte. Mir gefiel der Gedanken, daraus kein Sachbuch für Kinder zu machen, sondern ein Märchen. Eine Geschichte, in der die Zwiebel und der Zusammenhang zur Stadt nicht nur erklärt wird, sondern eine eigene (magische) Bedeutung bekommt. So entstand die Hexe, die helfen will und dabei erst einmal ein ziemliches Durcheinander anrichtet.

Das Stadtjubiläum als Anlass

Der konkrete Anlass kam mit dem 775-jährigen Stadtjubiläum von Borna. Als ich den Aufruf des Stadtmuseums für ein Jubiläumsbuch sah, fühlte ich mich sofort angesprochen. Ich hatte ja längst diese Idee im Kopf, ein Märchen für unsere Region zu schreiben. 

Also schrieb ich los.

Der Text wuchs, und er entwickelte sich schnell über den ursprünglich geplanten Rahmen hinaus. Für das Jubiläumsbuch war die Geschichte am Ende zu umfangreich. Ich hätte kürzen können (habe ich zunäst auch versucht), aber je länger ich an der Geschichte arbeitete, desto weniger wollte ich etwas herausnehmen, nur damit sie irgendwo hineinpasst.

Also durfte daraus ein eigenes Buch werden.

Heute bin ich froh darüber. Denn dadurch konnte die Zwiebelhexe in ihrer ganzen Form erscheinen, mit all ihren kleinen Umwegen, ihrem Humor, den Details und magischen Blick auf Borna.

Balbina, die gutherzige Hexe

In Die Zwiebelhexe fällt in Borna wochenlang kein Regen. Die Felder vertrocknen, die Ernte ist bedroht, und Balbina möchte helfen. Sie spricht einen Zauber, der die Ernte retten soll. Wie das bei Zaubern manchmal so ist, läuft die Sache anders als geplant. Statt Korn und Gemüse wachsen plötzlich überall Zwiebeln. Große, goldene Zwiebeln. So viele, dass die Menschen in Borna erst einmal nicht wissen, was sie damit anfangen sollen. Aus dem Missgeschick entsteht Ratlosigkeit, dann Zorn, schließlich Mitgefühl und eine Bewegung. Am Ende finden die Menschen zusammen einen Weg aus der Zwiebelnot. Eine wichtige Rolle spielen natürlich auch die Zwiebelfrauen, die es früher tatsächlich gab.

Mir war wichtig, dass Balbina keine böse Hexe ist. Ich wollte keine finstere Gestalt, vor der Kinder sich fürchten. Balbina ist gutherzig und etwas tollpatschig. Gerade deshalb mag ich sie. Sie meint es gut, macht aber manchmal Fehler. Sie bringt etwas durcheinander und wird trotzdem Teil der Lösung. Das ist für ein Märchen eine schöne Ausgangslage.

Ein modernes Märchen mit alten Wurzeln

Märchen begleiten mich seit meiner Kindheit. Wie viele Kinder bin ich mit den Geschichten der Brüder Grimm aufgewachsen. Natürlich liest man diese Märchen heute anders als früher. Viele Rollenbilder wirken alt, manche Wendungen hart und manche Botschaften verdienen Widerspruch. Trotzdem hat mich der Kern von Märchen immer interessiert. Sie erzählen von Prüfungen, Missgeschicken, Wünschen, Angst, Mut und Verwandlung. Sie nehmen Dinge ernst, die Kindern wichtig sind. Und sie erlauben, dass in die Wirklichkeit ein bisschen Magie einfließt. Genau das wollte ich für Borna. Ein Märchen, das regionale Geschichte aufgreift, ohne daraus eine Unterrichtsstunde zu machen. Ein Buch, das Kinder vorgelesen bekommen können und bei dem Erwachsene vielleicht schmunzeln, weil sie Borna, den Zwiebelanbau oder den Namen Zwibbelborne kennen. Die Zwiebelhexe ist deshalb auch ein Buch für Menschen, die sich mit dieser Stadt verbunden fühlen. Für Kinder, Eltern, Großeltern, Erzieher*innen, Lehrer*innen, Zugezogene, Weggezogene und alle, die Freude an regionalen Geschichten haben.

Warum regionale Geschichten wichtig sind

Ich glaube, wir unterschätzen manchmal, wie viel es bedeutet, wenn der eigene Ort in Geschichten vorkommt. Große Städte haben oft ihre Romane, Geschichten, Filme, Sagen und Figuren. Kleinere Städte tauchen seltener auf. Dabei gibt es gerade hier so viele Erinnerungen und Eigenheiten. Borna hat unglaubliche 775 Jahre Geschichte zu bieten. Und Borna hat Humor. Wenn jemand "Zwibbelborne" sagt, steckt darin mehr als ein Spitzname. Es ist ein Stück Herkunft.

Vom Sofa bis zum fertigen Buch

Zwischen der ersten Idee beim Sandmännchen und dem fertigen Buch lagen viele kleine Schritte. Schreiben, Vorlesen, Überarbeiten, wieder Vorlesen, noch einmal prüfen, feilen, verwerfen, neu anfangen, illustrieren, weiterdenken. Als Lektorin arbeite ich jeden Tag mit Texten. Ich weiß, wie viel Arbeit in scheinbar einfachen Sätzen steckt. Bei einem Kinderbuch merkt man das besonders. Die Sprache soll zugänglich sein, aber nicht flach. Die Handlung soll verständlich bleiben, aber trotzdem tragen. Die Figuren sollen Kinder erreichen und Erwachsene nicht langweilen. Das war die schönste Herausforderung an diesem Projekt. Ich durfte nicht nur Autorin sein, sondern auch sehr genau hinhören. Vor allem auf die Reaktionen meines Sohnes. 

Und irgendwann lag sie dann wirklich vor mir: Die Zwiebelhexe. Ein Hardcover mit 28 Seiten, tief verwurzelt in Borna und trotzdem voller Fantasie.

Wo ihr die Zwiebelhexe kaufen könnt

Wer neugierig geworden ist, kann Die Zwiebelhexe direkt hier bestellen: Die Zwiebelhexe im BoD-Buchshop kaufen

Das Buch ist außerdem über den Buchhandel bestellbar. Wer aus Borna kommt, kann gern in der Buchhandlung vor Ort nachfragen. Hier gibt es manchmal auch handsignierte Exemplare.

Ich freue mich sehr, wenn Balbina weiterwandert. In Kinderzimmer, Kindergärten, Klassenzimmer, Familienregale und überall dorthin, wo Menschen Lust auf ein regionales Märchen mit Humor und einer sehr eigenwilligen Zwiebelernte haben.

Bibliografische Angaben:

Claudia Hebestreit: Die Zwiebelhexe

Hardcover, 28 Seiten

ISBN: 9783695145003