FBM 2026: Diese Themen verfolge ich

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Frankfurt vom Schreibtisch aus: Diese Themen verfolge ich bei der FBM 2026

Die Frankfurter Buchmesse werde ich in diesem Jahr wieder aus der Ferne verfolgen. Ich wohne in der Nähe von Leipzig und habe dadurch den ziemlich angenehmen Luxus, im Frühjahr einfach zur Leipziger Buchmesse fahren zu können. Sie ist meine Messe zum Herumlaufen, Bücheranschauen, Neues entdecken, Menschen treffen und irgendwann völlig reizüberflutet und mit platten Füßen nach Hause fahren.

Frankfurt findet für mich dagegen am Schreibtisch statt. Vom 7. bis 11. Oktober 2026 trifft sich dort die internationale Buchbranche. Und ich habe inzwischen meine persönliche Beobachtungsliste. Denn auch ohne Zugticket und Messeausweis möchte ich wissen, welche Bücher trenden, welche Autor*innen Aufmerksamkeit bekommen und welche Entwicklungen aus der Buchbubble langsam in der gesamten Branche ankommen.

Wenn aus Leser*innen Fans werden

Wer sich das diesjährige Konzept der FBM anschaut, merkt schnell, dass Begegnungen zwischen Autor*innen und Leser*innen sehr viel Raum bekommen. Es gibt eine eigene Community Stage mit New Adult, Fantasy, Gaming und Popkultur. Dazu kommt das Format "Meet the Author", das persönliche Begegnungen und Signierstunden stärker in den Mittelpunkt rückt. Die Buchmesse selbst spricht in diesem Zusammenhang vom "Zeitalter des Fandom". Ein Buch endet für viele Leser*innen heute nicht nach der letzten Seite. Sie folgen den Autor*innen auf Instagram oder TikTok, warten auf Cover-Reveals, sammeln Sonderausgaben oder Farbschnitte, tauschen Theorien aus und reisen zu Signierstunden. Aus einem Roman kann also eine ganze kleine Welt werden. Für mich wird deshalb spannend sein, welche Bücher und Autor*innen diese besonders starken Communities auf der FBM 2026 mitbringen. Und auch, welche Genres davon profitieren. New Adult und Young Adult wachsen wirtschaftlich weiterhin deutlich stärker als viele andere Bereiche des Buchmarktes. 2025 stieg der Umsatz mit New Adult um 9,6 Prozent, bei Young Adult waren es 4,8 Prozent. Gleichzeitig ist die Gesamtzahl der Buchkäufer*innen gesunken. Ein bemerkenswerter Gegensatz: Auf Buchmessen sehen wir also (sehr) lange Schlangen, volle Signierstunden und Leser*innen, die sehr viel Begeisterung mitbringen. Gleichzeitig kämpft die Branche darum, Menschen überhaupt noch regelmäßig zum Buchkauf zu bewegen.

Tschechien als Ehrengast

Ehrengast der Frankfurter Buchmesse ist in diesem Jahr Tschechien. Unter dem Motto "Tschechien: Ein Land an der Küste" reisen 75 tschechische Autor*innen nach Frankfurt. Mehr als 100 literarische und kulturelle Veranstaltungen sind rund um den Ehrengastauftritt angekündigt. Vertreten sind Belletristik, Lyrik, Comics, Kinder- und Jugendliteratur, Sachbuch und Theater. Bei solchen Gastlandauftritten interessiert mich vor allem der Entdeckungseffekt. Wie viele tschechische Gegenwartsautor*innen könnte ich spontan nennen? Genau. Für ein paar Tage bekommen dann Bücher eine Aufmerksamkeit im deutschsprachigen Raum, um die sie sonst vielleicht deutlich stärker kämpfen müssten.

Besonders beobachten möchte ich dabei die queere Literatur.

Schon im Vorprogramm des tschechischen Ehrengastjahres gab es auf der LBM 2026 einen eigenen Abend unter dem Titel "Queer Central Europe: Körper, Worte, Saunen". Mit dabei waren unter anderem Marek Torcik und Vratislav Manak. Beide gehören auch zu den Autor*innen, die im Oktober nach Frankfurt reisen.

Marek Torciks Roman "Was die Zeit nicht nimmt" ist 2026 auf Deutsch erschienen und erzählt unter anderem von einer queeren Jugend in einer konservativen tschechischen Industriestadt.

Comics, Manga und Webtoons sind endgültig in der Buchwelt angekommen

Ein weiterer Schwerpunkt der FBM 2026: Comics, Manga und Visual Stories.

Gerade dieser Schwerpunkt hat mich überrascht. Manga, Comics, Cosplay und die dazugehörigen Fangemeinschaften verbinde ich eigentlich mit Leipzig. Dort gehört die Manga Comic Con längst zur Buchmesse und ist kaum zu übersehen. Interessant finde ich vor allem, dass Frankfurt das Thema etwas anders aufzieht. In Leipzig ist die Manga Comic Con vor allem eine riesige Publikumsveranstaltung. Frankfurt schaut mehr auf das internationale Geschäft dahinter: Rechte, Lizenzen, Webtoons und die Verbindungen zu Games, Serien und Film. Daran sieht man ganz gut, wie sehr sich dieser Teil der Buchwelt verändert.

Das internationale Förderprogramm Frankfurt Global Network richtet sich in diesem Jahr ausschließlich an Verlage, Lektor*innen und Rights Manageri*nnen aus diesem Bereich. Dazu kommen ein Comics Business Centre und eine Webtoon Area.

Welche Bücher werden nach dem Deutschen Buchpreis überall liegen?

Zur Frankfurter Buchmesse gehört natürlich auch der Deutsche Buchpreis, obwohl die Preisverleihung bereits kurz vor dem eigentlichen Messestart stattfindet. Am 11. August wurde die Longlist 2026 mit 20 Romanen veröffentlicht. Die Jury hatte insgesamt 205 Titel in der Auswahl. Am 8. September folgte die Shortlist, am 5. Oktober wird der diesjährige Gewinnerroman bekannt gegeben. Zwei Tage später beginnt die Buchmesse.

Damit wird der ausgezeichnete Titel mit maximaler Aufmerksamkeit in die Messewoche starten.

Für meinen Blog werde ich deshalb verfolgen, welche Bücher von der Longlist und später von der Shortlist auch außerhalb der klassischen Literaturkritik auftauchen. Welche werden auf Social Media diskutiert? Welche landen auf den großen Büchertischen? Und bei welchen entsteht tatsächlich Lust aufs Lesen? Literaturpreise sind schließlich auch eine Form von Sichtbarkeit. Zwanzig nominierte Bücher bekommen plötzlich ein Label, über das gesprochen wird. Sechs davon erhalten mit der Shortlist noch einmal einen Schub. Eines steht am Ende für eine Weile besonders im Mittelpunkt.

Und was passiert mit den "kleineren" Büchern?

Bei all den großen Namen, Signierstunden und Community-Hypes möchte ich während der FBM aber auch auf die Bücher achten, die deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommen. Die wirtschaftliche Lage der Branche ist derzeit angespannt. 2025 ging der Gesamtumsatz des deutschen Buchmarktes um 2,7 Prozent zurück, im ersten Halbjahr 2026 setzte sich diese Entwicklung fort. Gleichzeitig brachten Verlage weniger neue Titel heraus als im Vorjahr.

Für kleine und unabhängige Verlage ist Sichtbarkeit ohnehin schwieriger. Sie haben selten die größten Messestände oder die bekanntesten Namen im Programm. Trotzdem erscheinen gerade dort regelmäßig Bücher, die ungewöhnlich sind, Nischenthemen aufgreifen, sich an Debüts wagen oder Autor*innen veröffentlichen, für die in großen Verlagen weniger Platz vorhanden ist.

Meine FBM findet dieses Jahr am Schreibtisch statt

Ganz ersetzen kann die öffentliche Berichterstattung eine Buchmesse vor Ort natürlich nicht. Ich werde weder durch die Hallen laufen noch zufällig an einem Stand hängen bleiben, weil mich ein Cover anlacht. Trotzdem versuche ich die FBM aus der Ferne zu verfolgen. Der Veranstaltungskalender wird laufend ergänzt. Die Eröffnungspressekonferenz am 6. Oktober wird im Livestream übertragen. Veranstaltungen der Dialogue Stage werden an den Fachbesuchertagen aufgezeichnet und anschließend ein Jahr lang in der Mediathek der Frankfurter Buchmesse bereitgestellt. Wahrscheinlich werde ich einiges verpassen. Das ist okay, schließlich kann man nicht immer überall dabei sein. Ich suche mir auch dieses Jahr wieder meine eigenen Wege durch die Messe (ganz ohne schmerzende Füße).


Quellenhinweise

Für meinen Artikel habe ich folgende Quellen und weiterführende Infos recherchiert und verwendet:

Frankfurter Buchmesse: Programm, Bühnen und Veranstaltungskonzept 2026. Bühnen der Frankfurter Buchmesse 2026

Frankfurter Buchmesse: Ehrengast Tschechien 2026 und die angekündigten Autor*innen. Tschechien als Ehrengast der FBM 2026

Frankfurter Buchmesse: Schwerpunkt Comics, Manga und Visual Stories. Frankfurt Global Network 2026

Deutscher Buchpreis: Longlist und Termine 2026. Deutscher Buchpreis 2026

Börsenblatt: Buchmarkt 2025 und Entwicklung im ersten Halbjahr 2026. Buchmarkt 2025: Die offiziellen Zahlen