Martina Hefter in Borna: Eine Lesung, die Lust auf Bücher und Bibliotheken macht

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Martina Hefter liest in der Mediothek Borna

Ich wusste, dass Martina Hefter schreiben kann, aber dass sie so gut liest, wusste ich bislang nicht. Am 23. September 2026 war die Autorin und Trägerin des Deutschen Buchpreises zu Gast in der Mediothek Borna. Die Veranstaltung trug den Titel Wo sind wir zu Hause? und war von der BÜNDNISGRÜNEN Landtagsfraktion Sachsen organisiert worden. Dr. Claudia Maicher, Landtagsabgeordnete und kulturpolitische Sprecherin der Fraktion, führte durch den Abend.

Die Mediothek ist kein riesiger Veranstaltungsort, genau das machte die Lesung sehr persönlich und nah. Die Stühle waren sehr gut besetzt, der Raum gefüllt. Ich hatte mich an diesem Tag extra früher auf den Weg gemacht und konnte glücklicherweise einen Platz in der ersten Reihe bekommen. Schon vor Beginn war zu spüren, dass an diesem Abend viele Menschen zusammengekommen waren, die sich für Literatur und die kulturellen Angebote unserer Region interessieren.

Eine Lesung, fast wie ein Hörbuch

Im Mittelpunkt stand Martina Hefters Roman Hey guten Morgen, wie geht es dir?, für den sie 2024 den Deutschen Buchpreis erhielt. Sie las kurze Passage daraus und sprang zwischen verschiedenen Stellen des Romans. Dazwischen erklärte sie jeweils kurz, an welchem Punkt der Geschichte wir uns gerade befanden. Es konnten also auch die Menschen problemlos folgen, die das Buch noch nicht gelesen hatten. Gleichzeitig verriet sie gerade genug, um neugierig zu machen, ohne die Geschichte vorwegzunehmen.

Besonders überrascht hat mich, wie gut Martina Hefter liest. Ihre Stimme, ihr Tempo und ihre Betonungen wirkten so sicher, dass ich beinahe den Eindruck hatte, ein Hörbuch zu hören. Wer den Roman vorher noch nicht kannte, dürfte danach ziemlich viel Lust gehabt haben, ihn lesen zu wollen.

Ein kleiner Vorgeschmack auf Nach der Sonne schauen

Ganz am Ende der Lesung gab es außerdem einen winzigen Teaser zu Martina Hefters neuem Roman Nach der Sonne schauen, der im Oktober 2026 bei Klett-Cotta erscheint. Ich durfte das Buch bereits vorab als Rezensionsexemplar lesen. Viel kann ich darüber im Moment noch nicht erzählen. Einen ersten Lesetipp möchte ich trotzdem schon aussprechen: Freut euch darauf!

Eine ausführliche Rezension wird nach der Veröffentlichung hier auf Nichts für später folgen. Umso schöner war es für mich, die Autorin nun live zu erleben, auch wenn der Abend hauptsächlich ihrem vorherigen Roman gewidmet war.

Wie eine Autorin ihre Themen und ihr Material findet

Nach der Lesung ging der Abend in ein Gespräch über. Claudia Maicher stellte Martina Hefter Fragen zu ihrer Arbeit, ihren Themen, ihrer Herangehensweise beim Schreiben und ihrer Sicht auf Bibliotheken. Für mich war dieser Teil auch aus beruflicher Sicht interessant. Als Autorin und Lektorin höre ich gern, wie andere Schreibende Entscheidungen treffen: Wo beginnt eine Geschichte? Was war der ausschlaggebende Impuls? Welches Material darf in einen Text einfließen? Und an welcher Stelle setzt man sich selbst Grenzen?

Besonders spannend fand ich Martina Hefters Überlegungen zum Umgang mit realem Material. Sie machte deutlich, dass nicht alles, was einem im Leben begegnet, in einem literarischen Text landen muss. Auch erkennbare Ähnlichkeiten zwischen realen Menschen und Romanfiguren bedeuten nicht, dass deren Leben im Buch abgebildet wird. So erzählte sie, dass es gewisse Ähnlichkeiten zwischen ihrem Mann und der Figur Jupiter gibt. Vor der Veröffentlichung ließ sie ihn das Buch lesen und räumte ihm ein Vetorecht ein. Schreiben bedeutet eben auch, bewusst zu entscheiden, was man verwendet, verändert oder lieber bei sich behält.

Das Gespräch blieb dabei angenehm und persönlich. Martina Hefter sprach offen über ihre Arbeit und ihre Sicht auf die angesprochenen Themen.

Bibliotheken sind mehr als Regale voller Bücher

Später kam Michael Friedrich von der Mediothek Borna zum Gespräch hinzu. Damit rückte ein weiteres Thema des Abends in den Mittelpunkt: die Bedeutung öffentlicher Bibliotheken und Mediotheken, besonders im ländlichen Raum. Es ging um ihre Entwicklung, ihre Angebote und um die Frage, welche Unterstützung diese Einrichtungen künftig brauchen. Die Veranstaltung stand auch im Zusammenhang mit der Forderung der BÜNDNISGRÜNEN Landtagsfraktion nach einer stärkeren Mitverantwortung des Freistaates Sachsen für öffentliche Bibliotheken.

Dieser Abend gab mir einen kleinen Einblick in die Arbeit und die Herausforderungen, die hinter einem solchen Ort stehen. Und er hat mir ehrlich gesagt große Lust gemacht, die Mediothek selbst wieder häufiger zu nutzen. Ich bin bei Büchern zugegebenermaßen ein bisschen gierig. Wenn ich ein Buch lese und liebe, möchte ich es am liebsten auch besitzen. Das Problem ist nur: Mein Bücherregal ist voll. Eigentlich müsste ich regelmäßig aussortieren, doch meistens bleibt es bei diesem Gedanken. Eine Bibliothek kann für dieses Dilemma also eine ziemlich gute Lösung sein. Sie ermöglicht es mir, mehr Bücher auszuprobieren, neue Autor*innen zu entdecken und auch einmal zu einem Titel zu greifen, den ich mir vielleicht nicht sofort gekauft hätte. Viel einfacher kann der Zugang zu Literatur kaum sein. Gerade deshalb sind Bibliotheken wichtig. Sie stellen Bücher, Informationen und kulturelle Angebote zur Verfügung, ohne dass der eigene Geldbeutel oder die Größe des heimischen Regals darüber entscheidet, wie viel man entdecken darf. Außerdem schaffen sie Räume, in denen Menschen zusammenkommen. Die gut besuchte Lesung in Borna war dafür ein schönes Beispiel.

Ein Abend, der gern noch länger hätte dauern dürfen

Zum Abschluss konnten auch die Besucher*innen ihre Fragen stellen. Alle Beteiligten antworteten offen und persönlich. Danach blieb Martina Hefter noch vor Ort, signierte Bücher und nahm sich Zeit für Gespräche. Es war insgesamt eine beeindruckende Lesung mit interessanten Einblicke in das Schreiben selbst, aber auch eine konstruktive Diskussion über die Zukunft von Bibliotheken. Und es war eine tolle Möglichkeit, einer bedeutenden Autorin aus unserer Region direkt zu begegnen.

Ich bin ziemlich euphorisch und sehr glücklich nach Hause gegangen. Und mit dem festen Vorsatz, künftig nicht nur mein Bücherregal, sondern auch meinen Bibliotheksausweis wieder stärker in meine Leseplanung einzubeziehen.


Quellenhinweise

Informationen zur Veranstaltung, zu den Büchern und zu den Beteiligten habe ich folgenden Seiten entnommen: 

Pressemitteilung zur Lesung

Klett-Cotta