Hinweis: Ich habe das Buch selbst gekauft. Es handelt sich um eine persönliche Lektüreempfehlung ohne wirtschaftliche Verbindung zur Autorin oder zum Verlag. Aus rechtlichen Gründen kennzeichne ich den Beitrag dennoch als Werbung.
Zwischen Grabstein-Gags und Herzensmomenten: pure Lesefreude
Manchmal braucht man Bücher, die einfach glücklich machen. Die
vermutlich beste schlechteste Idee ever von Franziska Erhard ist genau so
ein Wohlfühlbuch, bei dem man für ein paar Stunden abschalten und die Welt da
draußen vergessen kann. Ida Walter, die Protagonistin, sprüht vor Lebensfreude
und Chaos und hat mich vom ersten Kapitel an zum Schmunzeln gebracht. Ihre
unkonventionelle Art trifft auf einen herrlich steifen neuen Chef bei der
Schirm und Schild Versicherung. Dabei funkt es nicht nur in der Handlung,
sondern auch bei mir als Leserin: Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.
Während eines Undercover-Einsatzes, müssen Ida und ihr Chef als frisch
verliebtes Ehepaar einer dubiosen Witwe nachspüren. Was folgt, ist eine
turbulente Ermittlung voller witziger Verwicklungen: Die lebenslustige Ida
stürzt sich begeistert in ihre Rolle als Gattin auf Zeit und treibt den
anfänglich unterkühlten Gideon mit ihrer spontanen Art regelmäßig in den
Wahnsinn. Nebenbei wird Ida unterstützt von ihrer resoluten Oma und deren
Freundinnen, die alle kein Blatt vor den Mund nehmen. Dieses Zusammenspiel aus
Situationskomik, Charme und ehrlicher Herzenswärme zieht sich durch das ganze
Buch.
Literarische Qualität
Franziska Erhards Schreibstil würde ich als locker-leicht
beschreiben. Bereits in der Vergangenheit haben ihre Geschichten unzählige
Leser*innen bezaubert und immer wieder die Bestsellerlisten gestürmt. Die
Dialoge sind knackig und authentisch; oft musste ich über Idas freche Sprüche
herzlich lachen. Wie es in der Beschreibung bei der Onleihe LEO-SUED treffend
heißt: „Frech, witzig und einfach nur liebenswert. Wenn Ida und ihre großartige
Oma samt Freundinnen loslegen, bleibt kein Auge trocken – und nichts ungesagt.“
Dem kann ich nur zustimmen: Die Szenen mit Idas Oma sorgen für Running Gags und
herrlich schräge Momente. Besonders eine
Stelle brachte mich laut zum Lachen: Ida erhält einen Anruf vom Steinmetz, der
allen Ernstes nachfragt, ob „die Oma denn nun gestorben sei“ – wegen jenes
Grabsteins, den die alte Dame vor einiger Zeit in Auftrag gegeben hatte. Urkomisch
und voller Herz.
Literarisch mag der Roman kein experimentelles Kunstwerk
sein, stattdessen bietet er solide Unterhaltung: Der Plot ist stimmig
aufgebaut, wenn auch gegen Ende etwas vorhersehbar. Die Stärke liegt im
Erzählfluss und Timing: Erhard versteht es, humorvolle Höhepunkte und spannende
Szenen gekonnt abzuwechseln, sodass beim Lesen nie Langeweile aufkommt.
Psychologische Tiefe
Obwohl die Geschichte in erster Linie als locker-leichte romantische
Komödie daherkommt, war ich positiv überrascht von den emotionalen Untertönen.
Natürlich darf man hier keine tiefen Abgründe erwarten, doch die Charaktere
besitzen durchaus glaubwürdige innere Konflikte und Entwicklungen. Ida zum
Beispiel ist nicht nur der naive Sonnenschein, als den man sie zunächst sieht:
Hinter ihrer fröhlichen Fassade blitzt immer wieder eine gewisse
Verletzlichkeit und Sehnsucht nach Anerkennung hervor. Sie will in ihrem Job
ernst genommen werden und etwas bewegen; ein Wunsch, den vermutlich viele von
uns kennen. Auch Gideon Parker ist mehr als der kühle „Anzugträger“ vom Dienst.
Anfangs wirkt er unnahbar und streng, doch schnell merkt man, dass er gar nicht
so steif ist. In Idas Gegenwart taut er auf, zeigt Humor und sogar
Unsicherheiten. Die Dynamik der beiden ist authentisch. Man kauft es der
Autorin sofort ab, wie aus anfänglicher Nervosität langsam Verständnis und
Zuneigung wachsen.
Die Tiefe entsteht hier vor allem durch liebenswerte
Details: Idas Tollpatschigkeit, die viel über ihr gutes Herz verrät, oder
Gideons innere Kämpfe zwischen Pflichtgefühl und Emotion. Besonders berührend
fand ich, wie Ida mit ihrer Oma interagiert. Es liegt viel unausgesprochene
Liebe in diesen Szenen. Die Oma ist für Ida Vertraute, Ratgeberin und manchmal
wie eine Mutterfigur, während Ida im Gegenzug Verantwortung übernimmt, als die
Großmutter schwächer wird. Eine Leserin auf Reado merkte treffend an, dass es
sich zwar um einen leichten Urlaubsroman handelt, aber „in dem über viele
wichtige Themen gesprochen wird“. Genau das habe ich auch empfunden: Zwischen
Strandfeeling und Schlagfertigkeit geht es um Vertrauen, Loyalität, den Umgang
mit Verlust und die Bedeutung von Familie. Diese Themen schwingen eher subtil
mit, werden aber deutlich genug, um aufzufallen.
Gesellschaftliche Relevanz
Auf den ersten Blick könnte man denken, ein heiterer
Liebesroman ist wenig gesellschaftlich relevant. Doch gerade die vermeintlich kleinen
Alltagsgeschichten halten uns oft einen Spiegel vor. So auch hier. Was mir
besonders ins Auge fiel, ist die frische Darstellung von Familienrollen und
Generationenzusammenhalt. Statt der gängigen Konstellation (Eltern kümmern sich
um Kinder oder Großeltern hüten Enkel) erleben wir eine Enkelin, die mit ihrer
Großmutter gemeinsam den Alltag meistert. Ida wohnt mit ihrer Oma unter einem
Dach und beide geben gegenseitig aufeinander Acht. Das ist ungewöhnlich und
daher umso schöner zu lesen. In unserer heutigen Gesellschaft, in der alte
Menschen leider oft an den Rand gedrängt oder als hilfsbedürftig abgestempelt
werden, wirkt diese liebevolle Oma-Enkelin-Beziehung fast visionär. Hier
kümmern sich Jung und Alt umeinander auf Augenhöhe, lernen voneinander und
bilden ein Team. Für mich steckt darin eine deutliche Botschaft: Familie
definiert sich nicht durch klassische Rollenverteilungen, sondern durch
Zusammenhalt und Herz. Wenn Ida mit ihrer schlagfertigen Oma und deren rüstigen
Rentner-Freundinnen (die allesamt ebenso sympathisch sind) loslegt, werden
zudem Altersstereotype humorvoll aufgebrochen. Diese Damen sind alles andere
als gebrechlich oder stumm. Sie mischen sich ein, haben Lebenserfahrung und
Witz, und zeigen damit, dass Seniorinnen durchaus eine aktive Rolle spielen
können.
Neben dem Generationenthema streift der Roman auch das Thema
Frauen in männerdominierten Berufen: Ida will sich im Versicherungswesen
(speziell der Betrugsabteilung) behaupten. Ein Bereich, der in der Realität oft
von Männern dominiert wird. Ihre kompetente, wenn auch unkonventionelle Art
führt letztlich zum Erfolg und verdient Respekt. Hier schwingt ein modernes
Frauenbild mit: Ida lässt sich nicht unterkriegen, weder von Bürokraten noch
von arroganten Betrügern. Sie nutzt Charme und Cleverness, wo andere nur Regeln
kennen. Anderssein ist hier eine Stärke und Vorurteile (sei es gegenüber
quirligen jungen Frauen oder lebenslustigen Seniorinnen) verdienen es, über
Bord geworfen zu werden.
Auch ethische Fragen blitzen auf: Darf man lügen, um
Schlimmeres zu verhindern? Wie geht man mit Gier und Betrug um, ohne selbst die
Moral zu verlieren? Diese Fragen bleiben zwar eher im Hintergrund, doch sie
geben der Komödie einen Hauch von Nachdenklichkeit, der mir gut gefallen hat.
Persönliche Wirkung
Mich hat das Buch Die vermutlich beste schlechteste Idee
ever einfach rundum glücklich gemacht. Selten lache ich laut auf beim Lesen.
Hier ist es mir passiert, gleich mehrfach. Ich muss zugeben: Als Lektorin und
Vielleserin bin ich oft etwas kritisch, was Klischees und Vorhersehbarkeit
angeht. Ja, gewisse Entwicklungen waren absehbar (man ahnt früh, wohin Idas und
Gideons Reise gefühlsmäßig geht), aber das hat mein Lesevergnügen kaum
geschmälert. Im Gegenteil, manchmal ist es gerade das erwartete Happy End, auf
das man sich freuen will. Solche Wohlfühlgeschichten sind einfach wichtig: Sie
erlauben es, abzuschalten, in eine andere Welt einzutauchen und sich bedingungslos
unterhalten zu lassen. Und wer Ida und ihre Oma einmal kennengelernt hat, wird
sie so schnell nicht wieder vergessen. Zum Glück gibt es bereits einen zweiten
Band, sodass das Wiedersehen nur einen Griff ins Bücherregal entfernt ist
Quellenhinweise
Alle Zitate und inhaltlichen Verweise stammen aus öffentlich zugänglichen Rezensionen, Klappentexten oder Interviews. Neben meiner eigenen Lektüre wurden insbesondere ergänzende Informationen von LovelyBooks, Reado und LEO SUED Onleihe herangezogen, sowie der Klappentext.

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