Hinweis: Ich habe das Buch selbst gekauft. Es handelt sich um eine persönliche Lektüreempfehlung ohne wirtschaftliche Verbindung zur Autorin oder zum Verlag. Aus rechtlichen Gründen kennzeichne ich den Beitrag dennoch als Werbung.
Alt genug für das eigene Leben
Mit Alt genug legt Ildikó von Kürthy ein
sehr persönliches Buch über das Älterwerden vor. Die Autorin, deren Bücher
schon Millionen Leser*innen erreichten, versteht es, in ihrem neuen Memoir mit
offenem Humor über die Lebensmitte zu erzählen. Ildikó von Kürthy selbst
sagt: „Ich bin nicht zu alt für hohe Schuhe – ich bin alt genug für
flache.“ Damit unterstreicht sie ihr Lebensgefühl und verweist darauf,
dass man mit dem Alter endlich zufrieden sein darf.
Literarische Qualität
Es handelt sich nicht um einen Roman, sondern um ein Memoir.
In kurzen Kapiteln erzählt Ildikó von Kürthy Episoden aus ihrem Leben, gerahmt
von der Geburtstagsfeier einer Fast-Freundin. Dabei bleibt der Tonfall immer
persönlich und unmittelbar. Beim Lesen fühlte ich mich oft so, als würde sie mir auf
dem Sofa gegenübersitzen und mit mir plaudern. Typisch für die Autorin ist der
lockere, selbstironische Stil. Die Sprache ist pointiert, humorvoll und mit Alltagsbeobachtungen
gespickt. Ihre kurzen, witzigen Schilderungen wechseln sich ab mit
nachdenklichen Momenten. Etwa beschreibt sie, wie sie sich bei „Germany’s Next
Topmodel“ bewirbt oder ganz allein nach New York fliegt. All diese Episoden
erzählt sie so authentisch, als wären es kleine Reifeprüfungen auf ihrer ganz
persönlichen Bucket List.
Insgesamt überzeugt die sprachliche Umsetzung: Die Autorin
bringt Witz und Wärme in die Erzählungen, ohne dabei oberflächlich zu
werden. Aus Lektorinnensicht gefällt mir, dass die Geschichten mit klaren
Bildern und feinem Detailreichtum gezeichnet sind. Ildikó von Kürthy
jongliert mühelos mit Alltagsszenen und Lebenserkenntnissen: Mal lacht man über
ihre Anekdoten, mal nickt man betroffen bei ihren schonungslosen Einsichten.
Psychologische Tiefe
Trotz des humorvollen Tons berührt Alt genug auch
sehr tief. Ildikó von Kürthy scheut sich nicht, schwere Themen anzusprechen:
Krankheiten und Verluste etwa. Ihr gelingt dabei der Spagat, dass diese
ernsthaften Passagen genauso ehrlich anmuten wie die heiteren Anekdoten. Ich
gehöre selbst noch nicht zu der Generation, von der dieses Buch erzählt. Und
trotzdem habe ich mich in vielen Momenten wiedergefunden. Dieses Wechselspiel
von Leichtigkeit und Tiefe macht das Buch besonders. Es ist mutig, nicht
nur über lustige Lebensweisheiten zu plaudern, sondern auch über die Ängste und
Zweifel, die uns alle beschäftigen. Ildikó von Kürthy selbst erzählt zum
Beispiel offen von ihrer Scham, Antidepressiva einzunehmen, und davon, wie sie
gelernt hat, diese Ängste zu überwinden.
Ein Kernthema ist das Ringen mit Erwartungen. Die Autorin
listet selbstironisch auf, wofür sie jetzt „zu alt“ ist, zum
Beispiel „zu alt, um anderen unbedingt gefallen zu wollen“ oder „zu
alt, um über blöde Witze zu lachen“. Aber gleichzeitig betont sie, was
sie „alt genug“ kann: etwa „die eigene Meinung sagen“ oder „müde
Feierabend machen dürfen“. Dieses ehrliche Plädoyer für Selbstbestimmung zeigt
psychologische Reife. In einem Interview beschreibt sie treffend, dass das
Buch „zeigt, was wir gewinnen, wenn wir die Scheu verlieren, uns selbst zu
zeigen, … und wie befreiend es sein kann, nicht mehr allem gerecht werden zu
müssen“. Wer mitliest, spürt diese Freiheit mit. Man erkennt sich selbst in
vielen Gedanken wieder.
Gesellschaftliche Relevanz
Auch gesellschaftlich wichtige Fragen stehen im Raum. Ildikó
von Kürthy stellt sich offen gegen den allgegenwärtigen Jugendkult und
fordert ein Umdenken in unserem Umgang mit Alter und Weiblichkeit. So zitiert
sie einen Podcaster: „Alt werden gilt in unserer Gesellschaft immer noch
als etwas, das man möglichst lange vermeiden sollte... Vielleicht wäre es
gesünder, das Älterwerden nicht zu bekämpfen, sondern endlich einmal ernst zu
nehmen.“ Mit ihrem Buch Alt genug liefert sie genau diesen
Neustart im Denken: Das Älterwerden wird hier als Schatz an Lebensweisheit
dargestellt. Man gewinne Würde und Gelassenheit mit jeder Falte. Besonders
stark fand ich drei Bereiche, die das Buch immer wieder berührt:
- Wechseljahre
und Körper: Kürthy spricht das lange tabuisierte Thema
Wechseljahre offen an. Sie bezeichnet diese Phase als „massive
körperliche und seelische Zäsur“ und kritisiert, dass Frauen oft
zu wenig darüber aufgeklärt werden. In ihrem Buch gibt sie dieser
Veränderung Raum und enttabuisiert sie damit.
- Gegen
Jugendwahn: Immer wieder warnt sie vor dem Schönheits- und
Anti-Aging-Druck. Sie zeigt, wieviel Charme und Lebensklugheit das
Älterwerden bringt und dass das Streben nach ewiger Jugend vielleicht gar
kein so erstrebenswertes Ziel ist.
- Selbstbestimmung
der Frau 50+: Frauen in der Lebensmitte sollen sich laut Ildikó
von Kürthy nicht unsichtbar oder klein machen müssen. Sie betont,
dass man nun „endlich alt genug“ sei, um unbequeme
Wahrheiten auszusprechen und alte Regeln hinter sich zu lassen. In dieser
Hinsicht wirkt das Buch wie ein Aufruf an alle Frauen, ihr Leben
selbstbewusst zu leben und eigene Wünsche ernst zu nehmen.
Persönliche Wirkung
Mich persönlich hat Alt genug tief
beeindruckt. Als begeisterte Leserin von Ildikó von Kürthy fühlte ich
mich beim Lesen sofort heimisch. Wie auch schon bei ihren vorherigen Büchern hatte
ich das Gefühl, mit einer alten Freundin zu plaudern. Ich habe beim Lesen oft
laut gelacht, zum Beispiel wenn Ildikó von Kürthy von den
Gesprächspartnern beim GNTM-Casting erzählt, und im nächsten Kapitel kurz
innegehalten bei einer traurigen Erinnerung. Ihre kluge, beobachtende und einfühlsame
Erzählstimme schafft genau dieses Spektrum aus Humor und Herzlichkeit.
Ich habe dieses Buch geliebt und kann es allen Frauen (und
Männern!), egal welchen Alters, nur wärmstens empfehlen. Alt genug ist
Lektüre, die tröstet, inspiriert und dabei ganz spielerisch ein paar wichtige
Wahrheiten ausspricht.
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